Der Zauber der Sammeltasse: Ein Stück Wirtschaftswunder für die Vitrine
Wer heute über einen Flohmarkt schlendert oder den Dachboden der Großeltern aufräumt, stößt unweigerlich auf sie: die Sammeltasse. Meist dreiteilig – bestehend aus Obertasse, Untertasse und Kuchenteller – glänzen sie in den buntesten Farben, verziert mit opulentem Goldrand, feinen Blumenmustern oder asiatisch anmutenden Landschaften.
- Das Statussymbol des Wirtschaftswunders: Ein komplettes, teures Kaffeeservice von Top-Marken konnten sich in den frühen 50er Jahren die wenigsten leisten. Einzelne Sammeltassen von renommierten Herstellern wie Seltmann Weiden, Villeroy & Boch oder Spode waren dagegen erschwingliche Luxusobjekte. Man zeigte stolz, dass man sich wieder etwas "leisten" konnte.
- Die neue Kaffeekultur: Kaffee war kostbar und das gemeinsame Kaffeetrinken am Sonntag wurde regelrecht zelebriert. Die bunten Tassen brachten Farbe in den Alltag und machten die Kaffeetafel festlich.
- Sammelleidenschaft ohne Nutzen: Das Besondere war, dass diese Tassen fast nie im Alltag benutzt wurden. Sie standen gut geschützt hinter den Glasscheiben der damals modernen Gelsenkirchener Barock-Vitrinen oder speziellen Setzkästen. Nur zu ganz besonderen Anlässen oder wenn der "wichtige" Besuch kam, durfte daraus getrunken werden.
Jedes Gedeck war ein kleines, eigenständiges Kunstwerk. Im Gegensatz zu normalen Services war das oberste Gebot bei der Sammeltasse: Bloß keine zwei gleichen besitzen! Jedes Set musste sich in Form, Farbe oder Muster von den anderen unterscheiden.



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