Die faszinierende Geschichte der Cortendorf-Wandmasken
Wer in den 1950er- oder 1960er-Jahren ein stilvolles deutsches Wohnzimmer betrat, kam an ihnen kaum vorbei: elegant geschwungene, oft asymmetrische Frauenköpfe aus Keramik, die grazil von der Wand blickten. Die Wandmasken der Porzellanfabrik Cortendorf waren der Inbegriff des Mid-Century-Designs und erleben heute bei Sammlern und Vintage-Liebhabern ein riesiges Comeback.
Woher kamen diese Kunstwerke, wer steckte dahinter und warum sind sie heute so begehrt? Ein Blick zurück in die Ära von Nierentisch, Rock 'n' Roll und Pastellfarben.
Von Coburg in die Wohnzimmer der Welt
Die Wurzeln dieser Kultobjekte liegen in Bayern: Die Porzellanfabrik Cortendorf wurde bereits 1890 von Julius Griesbach in Coburg-Cortendorf gegründet. Ursprünglich stellte das Werk klassische Geschenk- und Gebrauchskeramik aus Feinsteingut her. Doch nach einer Neuausrichtung in den 1930er-Jahren verlagerte sich der Schwerpunkt immer mehr auf dekorative Ziergegenstände und figürliche Keramik.
Der eigentliche Geniestreich folgte im Jahr 1954: Der Bildhauer und Modelleur Albert Strunz stieß zum Unternehmen. Er brach radikal mit den alten, steifen Formen und brachte frischen, modernen Wind in die Entwürfe. Ab 1958 führte Strunz das Repertoire der Wandmasken ein, beginnend mit der legendären Modellnummer 3408.
Was macht die Masken so besonders?
Die Masken von Cortendorf trafen den damaligen Zeitgeist perfekt. Nach den entbehrungsreichen Kriegsjahren sehnten sich die Menschen nach Exotik, Eleganz und Weltoffenheit. Typisch für die Stücke aus dieser Ära waren:
- Abkehr von der Symmetrie: Die Gesichter wurden meist im Halb-, Dreiviertel- oder Ganzprofil dargestellt.
- Exotische Einflüsse: Sehr populär waren Darstellungen von Frauen mit dunkler Hautfarbe, kombiniert mit kontrastreichen, leuchtenden Haar- oder Ohrbändern (z.B. in Türkisblau oder Rot).
- Das Material: Im Gegensatz zu klassischem, weißem Porzellan bestehen Cortendorfer Masken fast ausschließlich aus hochwertigem Feinsteingut (Keramik).
- Die Bemalung (Polychromie): Die Masken wurden aufwendig von Hand bemalt und glasiert. Besonders beliebt waren starke Kontraste – beispielsweise dunkelhäutige oder terracottafarbene Gesichter kombiniert mit zeittypischen Modefarben wie Türkisblau, Sonnengelb oder Pastellrosa. Oft trugen die Figuren skulpturale Details wie Haarbänder, Ohrringe oder kleine Vögel und Blumen im Haareiche, plastische Formen und eine hervorragende Farbhaftung.
Wer hat sie damals gekauft – und wer sammelt sie heute?Damals: Das Symbol des neuen Wohlstands
In den 50er Jahren waren die Wandmasken ein erschwinglicher Luxus für die breite Masse. Gekauft wurden sie von der aufstrebenden Mittelschicht der Nachkriegszeit, die Sehnsucht nach Schönheit, Exotik und moderner Kunst in den eigenen vier Wänden hatte. Ein großer Teil der Produktion ging zudem in den Export (vor allem in die USA), wo der „West German Pottery“-Stil extrem angesagt war.Heute: Eine leidenschaftliche Sammlergemeinschaft
Heute sind die Wandmasken längst aus den verstaubten Ecken der Flohmärkte herausgewachsen. Zu den heutigen Käufern gehören:- Mid-Century- & Vintage-Liebhaber: Menschen, die ihre Wohnungen im authentischen Stil der 50er/60er Jahre einrichten und ein echtes optisches Highlight für die Wand suchen.
- Spezialisierte Keramik-Sammler: Es gibt eine riesige, weltweite Sammlerszene (organisiert in Foren und Facebook-Gruppen), die gezielt nach seltenen Modellnummern jagt.
- Woran erkennt man eine echte Cortendorf-Maske?Wer auf Schatzsuche geht, sollte auf der Rückseite der Maske nach folgenden Merkmalen Ausschau halten:
- Die Modellnummer: In den Ton eingeprägte, meist 4-stellige Nummern (z. B. 3408 oder 3660).
- Die Prägung: Häufig findet sich der eingepresste Schriftzug „Cortendorf“ oder eine stilisierte Krone.
- Papieraufkleber: Viele Masken hatten damals glänzende Papier- oder Folienetiketten mit dem Firmenlogo. Da diese über die Jahrzehnte oft abgewaschen wurden, sind Masken mit erhaltenem Aufkleber bei Sammlern besonders begehrt.
Man sieht, die Cortendorf Masken waren mehr als nur Dekoration. Sie spiegeln das damalige Zeitgefühl, die Ästhetik und die Handwerkskunst der Mid-Century Zeit wieder.
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